

Ich habe diesen Guide aus eigener Erfahrung geschrieben – als Fotograf in Soest, der seit Jahren TFP-Shootings in NRW macht. Drin steht, was den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Shooting ausmacht: was wirklich hilft, was nervt und was viele Models nicht wissen, weil es niemand ausspricht.
Dieser Guide fasst zusammen, wie TFP-Shootings funktionieren – von der Suche nach dem passenden Fotografen über die Anfrage und den Vertrag bis zum Shooting selbst und dem, was danach kommt. Er richtet sich sowohl an erfahrene Models als auch an Anfänger und behandelt die Punkte, die in Tutorials und Foren oft unausgesprochen bleiben.
Grundlagen
Was TFP ist
TFP steht für „Time for Pictures“ – seltener auch „Time for Prints“ oder TFCD („Time for CD/Download“). Gemeint ist immer dasselbe: Fotograf und Model arbeiten ohne Honorar zusammen. Beide investieren Zeit, beide bekommen die Ergebnisse. Der Fotograf erhält Bilder für sein Portfolio und darf sie für seine Website und Social Media nutzen. Das Model bekommt fertig bearbeitete Aufnahmen für das eigene Portfolio, die Sedcard oder Social Media.
Keiner zahlt. Keiner wird bezahlt. Das ist keine Einschränkung, sondern das Modell.
Was TFP nicht sein sollte
TFP ist keine kostenlose Version eines bezahlten Shootings. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern im Zweck: Ein bezahltes Shooting entsteht für den Kunden, nach dessen Briefing und Erwartungen. Ein TFP-Shooting entsteht für beide – nach gemeinsamen Ideen, ohne externen Auftraggeber. Das gibt beiden Seiten eine kreative Freiheit, die bezahlte Aufträge selten bieten.
Wie TFP funktioniert
TFP muss kein Zwei-Personen-Projekt sein. Viele Shootings entstehen mit einem ganzen Team: Visagist, Stylist, Modedesigner, Retuscher, Videograf – manchmal auch mehrere Models gleichzeitig. Der Gedanke bleibt derselbe: Alle bringen Zeit und Können mit, alle bekommen Material für ihr Portfolio.
TFP funktioniert, wenn beide Seiten wirklich etwas vom Ergebnis haben. Für ein Model bedeutet das: Die Bilder des Fotografen passen zum eigenen Stil, das entstehende Material ist für Portfolio oder Social Media tatsächlich verwendbar. Für einen Fotografen bedeutet das: Das Model passt zu der Bildidee, die er umsetzen möchte. TFP lohnt sich nicht, wenn die Erwartungen zu weit auseinanderliegen – im Stil, im Erfahrungslevel oder in dem, was beide aus dem Shooting mitnehmen wollen.
Warum Fotografen TFP machen
TFP gibt einem Fotografen etwas, das bezahlte Aufträge selten bieten: kreative Freiheit. Kein Kunde, keine Briefings, keine Erwartungen außer den eigenen. Manche nutzen TFP, um neue Stile auszuprobieren, Equipment zu testen oder Ideen umzusetzen, die im normalen Arbeitsalltag keinen Platz haben. Andere wollen ihr Portfolio in eine neue Richtung entwickeln oder ein Model kennenlernen, bevor sie es für bezahlte Projekte anfragen. Und manche fotografieren einfach, weil sie es lieben – ohne weiteres Ziel dahinter.
Für wen TFP sinnvoll ist
TFP ist unabhängig von deiner Erfahrungsstufe. Es funktioniert für erfahrene Models genauso wie für Models, die am Anfang stehen – aber aus unterschiedlichen Gründen.
Für erfahrene Models bietet TFP etwas, das bezahlte Jobs selten ermöglichen: kreative Kontrolle. Kein Kunde, kein Briefing, keine vorgegebene Bildsprache. Wer eine eigene Idee hat – einen bestimmten Look, eine Stimmung, ein Konzept – findet über TFP Fotografen, die genau das umsetzen wollen. TFP ist außerdem der Weg, das Portfolio gezielt weiterzuentwickeln: Wer hauptsächlich Werbe- oder Katalogaufträge macht, hat oft wenig Material, das den eigenen Stil zeigt.
Erfahrene Models bringen außerdem etwas mit, das den Unterschied macht: Sie wissen, was sie wollen, können es kommunizieren und kommen mit klaren Ideen. Das zieht Fotografen an, die auf Augenhöhe arbeiten wollen – und führt zu Ergebnissen, die für beide Seiten ins Portfolio passen.
Für Models ohne Erfahrung ist TFP der direkteste Einstieg. Keine Agentur, keine Bewerbungsmappe, kein Casting-Direktor – eine Anfrage an einen Fotografen reicht. Der Vorteil liegt nicht nur in den Bildern: Posen, Blicke, Körperhaltung, der Umgang mit Licht – das lässt sich nicht aus Videos lernen, sondern nur vor der Kamera. Fotografen, die TFP anbieten, geben in der Regel aktiv Feedback und Anleitung. Was Anfänger mitbringen sollten: Neugier, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, sich einbringen zu lassen.
Was beide Gruppen gemeinsam haben sollten: Der Stil des Fotografen muss zum Model passen – und umgekehrt. Zuverlässigkeit ist keine Frage der Erfahrung. Kurzfristige Absagen, schlechte Erreichbarkeit kurz vor dem Termin oder fehlende Vorbereitung hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Fotografen reden miteinander. Wer zuverlässig ist, wird weiterempfohlen.
Wann TFP nicht das Richtige für dich ist
TFP ist nicht für jede Situation der richtige Weg. Es gibt Fälle, in denen ein bezahltes Shooting für dich die bessere Wahl ist.
Wenn du Bewerbungs- oder Business-Portraits brauchst: Für LinkedIn, eine Bewerbungsmappe oder ein Auftrittsbild im Beruf zählen Deadline, eine bestimmte Bildsprache und die Sicherheit, am Ende genau das zu bekommen, was du brauchst. Bei TFP entscheidet der Fotograf mit, welche Bilder am Ende bearbeitet werden – und sein Stil ist nicht zwingend der, den ein Personaler erwartet.
Wenn du die Bilder kommerziell nutzen willst: Bezahlte Werbung, Verkauf an Stockplattformen, Markenkooperationen – das ist bei TFP in der Regel ausgeschlossen. Wer die Bilder für Geld weiterverwenden möchte, sollte ein Shooting buchen, bei dem diese Nutzung von Anfang an Teil des Vertrags ist.
Wenn du die volle kreative Kontrolle willst: Ein TFP-Shooting entsteht für beide. Der Fotograf bringt seine Idee, seinen Stil und seine Auswahl mit ein. Wer ein Shooting will, das zu hundert Prozent nach den eigenen Vorstellungen läuft – ohne Kompromisse, ohne fremde Bildsprache – ist mit einem bezahlten Auftrag besser bedient. Da bist du Kunde, und der Fotograf folgt deinem Briefing.
Wenn die Bilder privat bleiben sollen: Beim TFP-Vertrag bekommt der Fotograf das Recht, die Bilder zu veröffentlichen – das ist Teil des Tauschs. Wenn dein Gesicht nicht öffentlich auf einer Fotografenseite oder bei Instagram auftauchen soll, ist TFP von vornherein nicht der richtige Rahmen. Ein bezahltes Shooting kann eine Nichtveröffentlichungsklausel enthalten – TFP nicht.
TFP und deine Modelkarriere
Du brauchst für TFP keine Modelagentur. Wer eine hat, kann TFP trotzdem machen – die meisten Agenturverträge schließen das nicht aus. Frag im Zweifel vorher nach.
TFP ist kein direkter Weg zu bezahlten Aufträgen. Manche Models rutschen über TFP-Kontakte irgendwann in kommerzielle Projekte, andere fotografieren jahrelang ausschließlich TFP und fahren gut damit. Was TFP zuverlässig liefert, ist Material – und Material ist die Grundlage für alles weitere: Sedcard, Agenturanfrage, Bewerbung auf bezahlte Jobs, Sichtbarkeit auf Instagram.
Fotografiere mit mehreren Fotografen. Jeder Stil bringt einen anderen Teil von dir zum Vorschein. Zehn Shootings mit demselben Fotografen wirken monoton, egal wie gut die Bilder sind. Zehn Shootings mit zehn Fotografen zeigen, dass du dich auf verschiedene Bildsprachen einlassen kannst.
Praxis
Den richtigen Fotografen finden
Am einfachsten geht das über Plattformen, die speziell dafür gemacht sind. tfpshootings.de ist ein spezialisiertes Verzeichnis nur für TFP-Projekte – Fotografen suchen dort aktiv nach Models für konkrete Ideen. Auf der Plattform sind mehr Fotografen registriert als Models, und das Kontaktsystem funktioniert über Credits: Wer anschreibt, investiert bewusst. Mitglieder werden manuell geprüft und können bewertet werden – drei negative Bewertungen führen zum Ausschluss. Als Model bist du dort also gefragt und gut aufgehoben.
Auf Modelkartei.de geben Fotografen direkt im Profil an, ob sie TFP anbieten.
Anfragen gehen auch direkt über Instagram oder die Website eines Fotografen.
Auf Instagram helfen Hashtags wie #tfp oder #tfpmodel beim Stöbern. Folge gefundenen Fotografen ein paar Tage und schau, wie die Zusammenarbeit bei ihnen läuft.
Oder frag ein Model, das du kennst, nach einer Empfehlung – gerade lokal ist das oft der direkteste Weg. Wenn du jemanden kennst, der schon Erfahrung hat, kannst du auch einfach zusammen mit ihm zum Shooting kommen. Ein erfahrenes Model an der Seite macht den Einstieg leichter.
Wenn du bereits Erfahrung hast, suchst du oft gar nicht mehr aktiv auf Plattformen. Das Netzwerk wächst mit jedem Shooting. Fotografen, mit denen die Zusammenarbeit gut funktioniert hat, kannst du direkt auf neue Ideen ansprechen. Agenturen vermitteln gelegentlich TFP-Kontakte, wenn ein Fotograf gezielt nach einem bestimmten Typ sucht. Die lokale Kreativszene – Fotografen, Visagisten, Stylisten, andere Models – kennt sich oft untereinander: Workshops, lokale Events und Fotografie-Communities sind der direkteste Weg zu Kooperationen auf Augenhöhe.
Wenn du schon länger dabei bist, lohnt es sich, die Fotografensuche strategischer anzugehen: Welche Bildsprache fehlt noch in deinem Portfolio? Passt der Stil dieses Fotografen zu den Agenturen oder Kunden, die du ansprechen willst? Ein Shooting, das gut aussieht, aber nicht zu deiner Positionierung passt, füllt deine Sedcard – nutzt ihr aber wenig. Je mehr Erfahrung du mitbringst, desto mehr zahlt es sich aus, gezielt mit denen zu shooten, deren Arbeit dein Portfolio in eine bestimmte Richtung entwickelt.
Fotograf prüfen: Vertrauen und Zusammenarbeit
Wenn du jemanden gefunden hast, der dich interessiert, prüf ihn – bevor du anfragst. Schon vor dem ersten Kontakt zeigt sich vieles, was später den Unterschied macht.
Wer er ist
- Google seinen Namen. Findest du ihn mit Adresse? Hat er eine gepflegte Website mit Fotos von ihm selbst? Gibt es Making-of-Videos?
- Hat er Google-Bewertungen? Lies sie – nicht nur die Sterne, sondern was Models und Kunden konkret schreiben.
- Taggen ihn Models auf Instagram, posten sie selbst Bilder vom Shooting? Wer das tut, war zufrieden.
- Sind gar keine oder nur erkennbar professionelle Models getaggt, könnten die Bilder auf Workshops entstanden sein – also unter Anleitung, mit fremdem Setup.
- Du kannst Models, die bereits mit ihm gearbeitet haben, direkt anschreiben und fragen. Die meisten antworten ehrlich.
- Oder wähle eine Fotografin – ein vollkommen legitimer Weg, gerade am Anfang.
Wie er kommuniziert
Wie schreibt er? Nimmt er sich Zeit für deine Fragen? Geht er auf deine Grenzen ein? Ein guter Fotograf interessiert sich nicht nur für Bilder, sondern auch dafür, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten passt. Bleibt die Nachricht beim Thema? Wirken einzelne Wünsche und Anforderungen passend zur Bildidee? Fühlt sich der Kontakt angenehm an?
Die Atmosphäre
Wie beschreibt er den Ort, an dem fotografiert wird? Nur technisch – Quadratmeter, Equipment, Hintergründe – oder auch als Ort, an dem Menschen sich ein paar Stunden aufhalten? Steht etwas über Pausen, Kaffee, Umkleide, Ruhe? Schau dir die Making-ofs, die du gefunden hast, noch einmal mit dieser Frage an: Wirkt es konzentriert oder gehetzt? Lies in den Bewertungen nicht nur, was Models über die Bilder schreiben, sondern wie sie das Drumherum beschreiben. Bei einem Outdoor-Fotografen gilt dasselbe sinngemäß – wie er von Locations erzählt, sagt viel darüber, wie das Shooting selbst ablaufen wird.
Atmosphäre ist kein weicher Faktor. Sie entscheidet, wie entspannt du vor der Kamera bist – und damit, wie die Bilder am Ende aussehen.
Sein Vertrag
Hat er einen sauberen TFP-Vertrag auf der Webseite oder schickt er ihn dir im Idealfall vorab zu, ohne dass du danach fragen musst? Das ist eines der klarsten Signale für Seriosität.
Wenn der Fotograf dich anfragt
Dann gelten dieselben Maßstäbe – und zusätzlich: Eine gute Anfrage ist konkret. Sie sagt, warum du gefragt wirst, welcher Look geplant ist und was du aus dem Shooting mitnehmen kannst.
Du entscheidest. Wenn du nicht überzeugt bist, sag höflich ab – auch wenn die Anfrage aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis kommt. Überleg dir genau, ob du dem Fotografen die Einwilligung zur Veröffentlichung deiner Bilder geben willst.
So bereitest du die Anfrage vor
Wenn du dich für einen Fotografen entschieden hast, lohnt sich ein kurzer Zwischenschritt – bevor du die Nachricht abschickst.
- Folge ihm auf Social Media
Ein paar Tage sind dabei das Minimum. Wer einen Fotografen wirklich wegen seines Stils anfragen will, ist meistens schon längst Follower. Wer sein Profil kennt, seine Bilder verfolgt und ab und zu gelikt hat, zeigt echtes Interesse – und das zählt. - Bringe dein Social Media in Ordnung
Ist dein Profil offen? Wirken deine Follower glaubhaft? Würden deine Posts ihn überzeugen? Gibt es Themen, die er als heikel empfinden könnte? Taggst du andere Fotografen? Was sagt der Profiltext über dich? - Bringe deine Sedcard in Ordnung
Wähle Bilder aus, die den Fotografen überzeugen. - Bezieh dich auf seine Arbeit, wenn du schreibst
Nicht „Ich würde gern ein Shooting machen“ – sondern warum dieser Fotograf, welches Bild, welcher Stil. Das ist wie eine Bewerbung.
Die Anfrage selbst
- Schick ein aktuelles Foto mit
Oder verlinke auf ein öffentliches Profil, schick deine Sedcard. Der Fotograf muss sich ein Bild von dir machen können – ohne Foto ist eine Anfrage schwer zu beurteilen. - Sag, wer du bist
Und wo du dir ein Shooting vorstellen könntest – Studio, draußen, eine bestimmte Stadt. Das erleichtert die Planung. - Wenn du eine Idee hast, sag sie gleich
Referenzbilder sind Gold wert. Ein Link zu einem Instagram-Post, ein Pinterest-Board, ein Screenshot – alles, was zeigt, wohin du möchtest. Keine Idee? Auch kein Problem, die meisten Fotografen haben etliche Ideen, die sie noch umsetzen wollen. - Bestimm den Ort aktiv mit
Ein Ort, an dem du dich wohlfühlst, macht einen echten Unterschied – für deine Entspannung, deine Ausstrahlung und damit für die Bilder. Das kann ein Park sein, eine Straße in deiner Stadt, ein Café, ein Gebäude. Achte darauf, dass der Ort für den Fotografen realistisch erreichbar ist. - Findet das Shooting im Studio statt: Schau es dir vorher an
Gefällt dir, was du siehst? Achte weniger auf die Größe als auf die Atmosphäre. Gibt es eine Umkleidemöglichkeit? Wirkt es einladend? Noch besser: Besuche das Studio kurz vorab – du gehst entspannter ins Shooting, wenn du weißt, was dich erwartet. - Gib an, wie viel Erfahrung du hast
Die meisten Fotografen können dich anleiten, wenn du noch wenig Erfahrung hast. Das ist kein Ausschlusskriterium, im Gegenteil. Aber es hilft, wenn es von Anfang an klar ist.
Wenn du schon Erfahrung mitbringst, kannst du in der Anfrage deutlich konkreter werden – und das solltest du auch. Nicht „Ich würde gern ein Shooting machen“, sondern: Welchen Look suchst du, welche Stimmung, welche Bildsprache? Ein Verweis auf eigene Arbeiten, die du weiterentwickeln willst, oder auf einen Fotografen, dessen Stil dich inspiriert, sagt mehr als jede Selbstbeschreibung. Fotografen, die auf Augenhöhe arbeiten wollen, schätzen das – und antworten anders als auf eine offene Anfrage ohne Richtung.
Kommunikation vor dem Shooting
- Mach ein Vorgespräch
Am besten persönlich, zum Beispiel in einem Café in der Nähe. Das Shooting läuft besser, wenn ihr euch vorher schon einmal gesprochen habt. Klärt dabei Stil, Stimmung, Location und grobe Bildidee – nur dann könnt ihr euch beide darauf vorbereiten. - Bestätige ein paar Tage vorher
Das gibt dem Fotografen Sicherheit. Er würde sonst irgendwann selbst nachfragen – tu ihm den Gefallen und schreib zuerst. - Klärt vorab, was bei schlechtem Wetter passiert
Ein Ausweichdatum oder eine alternative Indoor-Location im Hinterkopf zu haben, kostet nichts und erspart kurzfristigen Stress. - Antworte in den Tagen davor zeitnah
Zuverlässigkeit und gute Erreichbarkeit kurz vor dem Termin hinterlassen einen bleibenden Eindruck – in beide Richtungen. Wenn du nicht mehr kommen kannst: Melde dich. Je früher, desto fairer für beide Seiten. - Sei pünktlich – oder melde dich rechtzeitig
Der Fotograf hat Location, Licht und Zeitfenster geplant. Wenn du zu spät kommst, verlierst du Shooting-Zeit – meistens auf deine eigenen Kosten. Plane die Anfahrt mit Puffer, speichere die Nummer des Fotografen im Handy und ruf an, wenn du merkst, dass es eng wird. - Wenn der Fotograf absagt
Auch das kann vorkommen – berufliche Aufträge oder unvorhergesehene Umstände machen das manchmal nötig. Nimm die Absage nicht persönlich – und frag ruhig nach einem neuen Termin, die meisten Fotografen freuen sich, wenn das Interesse bleibt.
Was du dabeihaben solltest
Vier bis sechs Outfits, dezentes Make-up, Haarbürste zum Nachlegen, ein paar Accessoires, Schuhe mit Absatz und ein paar vorbereitete Posen-Ideen – die folgende Übersicht zeigt, was wirklich hilft.
Outfit-Check vorab: Nachdem ihr im Vorgespräch Stil, Stimmung und Location festgelegt habt, macht es Sinn, die Outfits vorher durchzugehen – damit die Kleidung dazu passt. Am besten als Foto des Kleidungsstücks oder wie du es trägst. Nicht jedes Outfit, das im Alltag gut aussieht, funktioniert vor der Kamera.
Für Anfänger gilt: lieber draußen als im Studio. Ein Portrait im Studio klingt einfach, weil man kein Publikum hat. Aber draußen gibt es mehr Locations, mehr Licht, mehr Variationsmöglichkeiten – das Ergebnis hängt dann nicht allein von deinen Fähigkeiten vor der Kamera ab. Für den Anfang ist das ein echter Vorteil. Oder wähle ein Motto, das über ein klassisches Portrait hinausgeht – auch dann ist es einfacher.
Begleitpersonen
Kläre vorab, ob du jemanden mitbringst – und wen. Sag es dem Fotografen frühzeitig. Das ist keine Frage von Vertrauen, sondern von Planung. Partner können manchmal ablenken. Eine gute Freundin oder ein guter Freund, der dich unterstützt, ist in der Regel besser geeignet.
Eine weitere Option: Du wirst zum Shooting gebracht und wieder abgeholt – die Begleitperson ist nicht dabei. Das gibt dir Sicherheit, ohne dass jemand das Shooting stört.
Und der vielleicht schönste Aspekt: Eine Begleitperson kann Making-of-Aufnahmen machen. Fotografen freuen sich über solches Material enorm – und du hast dann Bilder vom Shooting, die zeigen, wie es wirklich war. Auch das sollte vorher kommuniziert werden.
Während des Shootings
Das ist Teamarbeit. Wenn du eine Idee hast, sag sie. Wenn eine Pose sich falsch anfühlt, sag es. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn beide Seiten aktiv dabei sind.
Ein gutes Shooting basiert auf gegenseitigem Respekt. Du bestimmst mit, was fotografiert wird – und ein guter Fotograf weiß das. Kommuniziere klar deine Grenzen. Was ihr im Vorgespräch besprochen habt, ist die Basis. Bring dich bei Posen, Outfits und Ideen ein – damit die Bilder für dich perfekt werden, musst du deine Vision klar äußern. Neue Ideen beim Shooting sind gut – mach sie mit, wenn sie von dir kommen oder dir gefallen.
Gib dem Fotografen Zeit. Nimm eine Pose ein und warte dann, bis der Fotograf ausgelöst hat – erkennbar am Klicken der Kamera oder am Aufblitzen. Das ist wichtiger, als die meisten Models denken. Wenn du dich schon weiterbewegst, bevor er das Bild hat, weiß er gar nicht, wann er abdrücken soll. Im Zweifel: Kleine Veränderungen oder warten, bis er dir sagt, was du anders machen kannst.
Die meisten Fotografen machen Pausen, um dir zu zeigen, was gerade entsteht. Bei TFP entstehen die Bilder für euch beide – also schau sie dir an und sag, was du denkst. Du siehst sofort, was funktioniert und was nicht.
Nach dem Shooting
Wenn du noch nicht weißt, was gut funktioniert hat und was du beim nächsten Mal anders machen könntest – frag einfach. Die meisten Fotografen sagen es dir gern, wenn du direkt fragst. Das ist nützlicher als jeder Posing-Ratgeber.
Verlinke den Fotografen, gib ihm eine Google-Bewertung. Das kostet dich fünf Minuten und bedeutet ihm eine Menge. Gegenseitige Sichtbarkeit ist ein wesentlicher Teil des TFP-Gedankens.
Denk langfristig. Die Bilder bleiben über lange Zeit – eventuell dein ganzes Leben – öffentlich im Netz. Sei sicher, dass du dich mit ihnen auch in der Zukunft noch wohlfühlst.
Wenn du irgendwann Bilder entfernen lassen möchtest: Frag höflich und gib eine gute Begründung. Manchmal funktioniert das unkompliziert, manchmal nicht – du hast einen Vertrag abgeschlossen, und der bindet beide Seiten. Dass die Bilder dir nicht mehr gefallen, ein neuer Partner sie nicht gut findet oder sie nicht mehr zum aktuellen Berufsbild passen, sind in der Regel keine rechtlichen Gründe für eine Löschung. Mehr dazu im Abschnitt Rechtliches.
Und: Der Fotograf kann nur Bilder entfernen, die in seinem Einflussbereich liegen. Was andere bereits kopiert haben, liegt außerhalb seiner Kontrolle.
Rechtliches
TFP ist eine rechtliche Vereinbarung, keine informelle Absprache.
Wer das versteht, ist auf beiden Seiten besser aufgestellt – und vermeidet Überraschungen im Nachhinein. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung, sondern ein Überblick über die Grundlagen, die für TFP-Shootings relevant sind.
Wem gehören die Bilder?
Die Bilder gehören rechtlich dem Fotografen. Das ergibt sich aus dem deutschen Urheberrecht (§72 UrhG): Wer ein Lichtbild gestaltet und aufnimmt, ist der Urheber – unabhängig davon, wer vor der Kamera stand. Das gilt auch dann, wenn die Idee vom Model kam.
Das Model hat trotzdem eigene Rechte – über das Recht am eigenen Bild. Nach § 22 KUG dürfen Bilder einer Person grundsätzlich nur mit deren Einwilligung veröffentlicht werden. Genau das regelt der TFP-Vertrag: Das Model erteilt dem Fotografen die Einwilligung zur Veröffentlichung im vereinbarten Rahmen – und bekommt im Gegenzug Nutzungsrechte an den Bildern für das eigene Portfolio und Social Media.
Diese Einwilligung ist bindend.
Dass die Bilder später nicht mehr gefallen, dass ein neuer Partner sie nicht gut findet oder dass sie nicht mehr zum aktuellen Berufsbild passen – das sind in der Regel keine rechtlichen Gründe für eine Löschung. Wer einen TFP-Vertrag unterschreibt, sollte sich sicher sein, dass er langfristig mit den Bildern einverstanden ist.
Was das Model darf – und was nicht
Mit dem TFP-Vertrag erhält das Model Nutzungsrechte – aber keine unbegrenzten. Was genau erlaubt ist, steht im Vertrag. Typisch sind: private Nutzung, Social Media, Portfolio, Sedcard. Nicht eingeschlossen sind in der Regel: kommerzielle Nutzung, bezahlte Werbung, Verkauf der Bilder, Weitergabe an Dritte.
Das Bearbeitungsrecht liegt beim Fotografen – das ergibt sich aus dem Urheberrecht. Eigene Filter, Nachbearbeitung durch Dritte oder auch ein einfacher Instagram-Filter sind technisch gesehen bereits Bearbeitungen. Was das Model konkret darf, sollte im Vertrag stehen. Im Zweifel vorher fragen, nicht nachher.
RAW-Dateien gehören nicht zum Lieferumfang.
Die Bearbeitung ist ein wesentlicher Teil der Arbeit eines Fotografen – unbearbeitete Rohbilder werden in der Regel nicht herausgegeben. Das ist keine Frage des Vertrauens, sondern Teil des kreativen Prozesses.
Der Modelvertrag
Vor jedem TFP-Shooting gibt es einen schriftlichen Modelvertrag. Eine mündliche Absprache ist rechtlich zwar wirksam, aber kaum zu beweisen. Lies den Vertrag vorab. Wenn du ihn nicht hast, frage danach. Unterschreibe ihn vor dem Shooting. Ein Model, das sich vorbereitet und den Vertrag kennt, weckt Vertrauen.
Was im Vertrag stehen sollte:
- Veröffentlichungsorte – Website, Social Media, Print
- Weitergabe an Dritte – Agenturen, Stockplattformen; in der Regel nicht eingeschlossen
- Nutzungsdauer – befristet oder unbefristet, für beide Seiten
- Anzahl der bearbeiteten Bilder – üblich vier bis acht
- Lieferzeit – üblich zwei bis acht Wochen
- Tagging in Social Media – wer wen taggen darf, oder ausdrücklicher Ausschluss
Was unklar ist, vor der Unterschrift ansprechen – nicht danach. Ein Fotograf, der einen seriösen Vertrag anbietet, beantwortet Fragen dazu ohne weiteres.
Mehr Bilder als die vereinbarte Mindestzahl gibt es oft, wenn das Shooting Material liefert: viele Outfits, Abwechslung, gute Vorbereitung. Fotografen bearbeiten lieber Bilder, die interessant und abwechslungsreich sind. Wenn Bilder ausbleiben oder deutlich später kommen als vereinbart: erst freundlich nachfragen, dann schriftlich. Eine höfliche, aber klare Erinnerung per E-Mail reicht in den meisten Fällen. Lieferzeit und Anzahl sind rechtlich bindend, sobald sie im Vertrag stehen.
Minderjährige und DSGVO
Bilder von Personen sind personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO. Das bedeutet: Fotografen müssen mit diesen Daten sorgfältig umgehen – sichere Speicherung, kein unbefugter Zugriff, keine Weitergabe ohne Grundlage. Die Einwilligung im TFP-Vertrag dient in der Regel gleichzeitig als datenschutzrechtliche Grundlage für die Verarbeitung und Veröffentlichung. Ob das im Einzelfall ausreicht, hängt von der konkreten Nutzung ab.
Bonustipps
Macht’s zu einem Erlebnis
TFP ist mehr als Portfolioaufbau. Kombiniere Shootings mit Ausflügen zu Orten, die du schon immer mal sehen wolltest – ein Park, ein Schloss, ein See, die Kirmes bei Nacht, eine Hängeseilbrücke. Setz kreative und ungewöhnliche Ideen um – ein Shooting bei Regen, mit einem Requisit, das eine Geschichte erzählt, oder in einem Kostüm, das nichts mit deinem Alltag zu tun hat. Lerne interessante Menschen kennen. Die besten Shootings entstehen dann, wenn die Bilder am Ende gar nicht der einzige Gewinn sind.
Tausch die Rollen
Frag deinen Fotografen irgendwann während des Shootings, ob er kurz vor die Kamera kommt – und du übernimmst für ein paar Minuten die Regie. Gib ihm Anweisungen, such dir einen guten Winkel, sag ihm, er soll „einfach natürlich schauen“. Danach weiß er sofort, warum du vorhin so toll warst.
Du hast Lust auf ein TFP-Fotoshooting mit mir?
Wer diesen Guide gelesen hat, weiß, worauf ich Wert lege: Vorbereitung, Verlässlichkeit, echte Zusammenarbeit. Wenn du das mitbringst und meine Arbeit dich anspricht, freue ich mich über eine Anfrage.
Alle meine Shootings entstehen auf TFP-Basis. Fotografiert wird in meinem Fotostudio in Soest oder an Locations in ganz NRW.
Wenn du Interesse hast, schau dir gerne meine Portrait-Galerie an, folge mir auf Instagram – und melde dich dann über die Kontaktseite.
FAQ: Was Models häufig fragen
Kein Honorar – weder für dich noch für den Fotografen. Was trotzdem Geld kosten kann, sind Anfahrt, Eintritte (Schlösser, Museen, manche Parks), Requisiten oder ein extra gebuchter Visagist. Üblich ist, dass jede Seite ihre eigene Anfahrt trägt; alles andere wird vorher besprochen. Frag konkret nach, bevor du zusagst – nicht hinterher.
Auch eine mündliche Absprache ist rechtlich wirksam, aber kaum zu beweisen. Solange alle Beteiligten zufrieden sind, macht es in der Praxis keinen Unterschied. Der Vertrag ist eine Absicherung für beide Seiten. Wenn du die Bilder bereits selbst in Social Media genutzt hast, hast du dem Vertrag damit konkludent zugestimmt. Bestreitest du den Vertrag dann nachträglich, kann das als Urheberrechtsverletzung an den Bildern des Fotografen gewertet werden. Dasselbe gilt umgekehrt: Veröffentlicht der Fotograf die Bilder, nachdem du zugestimmt hast – auch mündlich oder durch konkludentes Handeln – und bestreitet er den Vertrag später, kann das eine Verletzung deines Rechts am eigenen Bild sein.
Es gibt keine feste Zahl. Am Anfang lohnt es sich, häufiger zu shooten – zwei bis vier im Monat – weil jedes Shooting dich vor der Kamera weiterentwickelt. Mit wachsender Erfahrung wird die Auswahl wichtiger als die Frequenz. Ein gutes Shooting pro Quartal mit einem Fotografen, dessen Stil dein Portfolio gezielt entwickelt, bringt mehr als zehn beliebige.
Sprich es an – am besten direkt während des Shootings. Wenn eine Pose, ein Outfit oder die Stimmung nicht passt, hat der Fotograf eine Chance umzusteuern. Wenn du erst nachher merkst, dass dich die Bilder nicht überzeugen, red mit ihm. Die meisten Fotografen bessern nach oder verstehen es als Feedback. Wenn der Stil grundsätzlich nicht zu dir passt, war es eben kein Match – das gehört zu TFP dazu.
Vermutlich ja. Hautretusche, Hintergrundtausch, Falten entfernen, Körperformen anpassen: Das ging vorher auch, es dauerte nur länger. Heute machen Photoshop, Lightroom und sogar die Foto-App auf dem Handy diese Eingriffe. KI ist dabei kein eigenes Thema, sondern nur ein schnelleres Werkzeug. Die Bearbeitungseinwilligung im TFP-Vertrag deckt das ab.
Die Bearbeitungseinwilligung im Vertrag ist umfassend, aber nicht grenzenlos. Sie deckt keine Bearbeitung, die dein allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzt – etwa ehrverletzende Darstellung oder Montage in einen kompromittierenden Kontext. Dagegen kannst du auch nachträglich vorgehen, unabhängig davon, was im Vertrag steht. Die Schwelle ist allerdings hoch: „Mir gefällt die Retusche nicht“ reicht nicht. Es muss eine echte Verletzung sein, keine Geschmacksfrage.
Glossar
Kurze Erklärungen der wichtigsten Begriffe aus diesem Guide – zum Nachschlagen.
- TFP – „Time for Pictures“, seltener „Time for Prints“ oder „TFCD“ („Time for CD/Download“). Zusammenarbeit zwischen Fotograf und Model ohne Honorar. Beide investieren Zeit und Können, beide bekommen die Bilder für die eigene Nutzung.
- Sedcard – Eine Art Visitenkarte für Models: Hauptbild plus mehrere Aufnahmen (Profil, Ganzkörper, verschiedene Looks), dazu Maße und Kontakt. Sie ist das, was Agenturen, Fotografen und Kunden zuerst von dir sehen.
- Modelvertrag – Schriftliche Vereinbarung zwischen Fotograf und Model, bei TFP-Shootings oft auch TFP-Vertrag genannt. Regelt Veröffentlichungsorte, Nutzungsrechte, Anzahl der bearbeiteten Bilder, Lieferzeit und alles, was sonst zwischen euch geklärt sein muss.
- Nutzungsrechte – Das Recht, ein Bild auf eine bestimmte Weise zu verwenden – nicht das Bild selbst. Typisch beim TFP-Vertrag: privat, Sedcard, Portfolio, Social Media. Kommerzielle Nutzung ist in der Regel nicht eingeschlossen.
- Bearbeitungsrecht – Das Recht, ein Bild zu verändern, liegt beim Fotografen. Eigene Filter, Crops oder Retuschen durch das Model sind technisch bereits Bearbeitungen und brauchen eine Erlaubnis im Vertrag.
- RAW-Datei – Das unbearbeitete Rohbild der Kamera. RAWs gehören nicht zum Lieferumfang eines TFP-Shootings. Die Bearbeitung ist Teil der fotografischen Arbeit – das fertige JPG ist das Ergebnis, nicht der Zwischenstand.
- Urheberrecht (§ 72 UrhG) – Wer das Bild aufnimmt, ist der Urheber – unabhängig davon, wer vor der Kamera stand oder von wem die Idee kam. Das Urheberrecht bleibt beim Fotografen und ist nicht übertragbar.
- Recht am eigenen Bild (§ 22 KUG) – Bilder einer Person dürfen nur mit ihrer Einwilligung veröffentlicht werden. Genau diese Einwilligung erteilt das Model dem Fotografen mit dem TFP-Vertrag.
- DSGVO – Datenschutz-Grundverordnung. Bilder von Personen sind personenbezogene Daten. Der Fotograf muss sie sicher speichern und darf sie nur auf vereinbarter Grundlage verarbeiten.
- Konkludentes Handeln – Eine rechtliche Zustimmung kann auch durch Verhalten entstehen, nicht nur durch Unterschrift. Wer Bilder eines Shootings selbst auf Social Media postet, hat dem Vertrag damit schlüssig zugestimmt – auch ohne ihn unterschrieben zu haben.
- Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) – Schutz der eigenen Würde, Ehre und Darstellung. Geht über das Recht am eigenen Bild hinaus und schützt vor entstellender, ehrverletzender oder kompromittierender Darstellung.